Sommerreise 2002: Umbrien

Unsere Sommerreise 2002 führte uns in die italienische Provinz Umbrien (mit Abstechern in die Toskana sowie nach Rom und Neapel). Am Rande der kleinen Stadt Acquapendente wohnten wir in einem kleinen Ferienhaus im Grünen, von wo aus wir diverse Ausflüge unternehmen konnten.

Es folgen die einzelnen Berichte, darunter gibt es die Gesamtgalerie der schönsten Fotos.


1. Tag: Freitag, 5.7.2002

Wir fuhren in Berlin um 4.30 Uhr los und kamen nach relativ problemloser Fahrt um 18.00 Uhr in Florenz an. In der Nähe der Altstadt fanden wir rasch ein gutes Hotel.
Da es Abend wurde, machten die meisten Läden bereits zu, so konnten wir Jule die Schmuckläden auf dem Ponte Vecchio nicht mehr zeigen. Zur Frustbewältigung kauften wir uns ein schönes Eis.

Dafür war es in der Innenstadt umso schöner.


2. Tag: Sonnabend, 6.7.2002

Der zweite Tag der Reise führte uns zunächst querab nach Pisa, wo natürlich auch Jule versuchen musste, den schiefen Turm ein wenig gerader zu drücken, während die Eltern sich der für Pädagogen obligatorischen "Pisa-Studie" widmeten ("Ich saz uf eime Steine ..."), allerdings ohne zu neuen Ergebnissen oder gar Lösungsansätzen zu gelangen.

 

Da das Wetter so schön war, beschlossen wir, an unserem "alten" Strand vom Vorjahr die Badesaison zu eröffnen. Aber welch ein Pech. Als wir dort ankamen, wurde es sehr windig und die Sonne verzog sich hinter dicke Wolken. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, ins Meer zu gehen.

Danach begaben uns auf den Weg in unser Feriendomizil. Es war zwar kilomertermäßig nicht mehr so sehr weit, da wir aber viel Landstraße fahren mussten, brauchten wir länger als geplant.

Im Zielort Acquapendente mussten wir ein paarmal fragen, ehe wir den richtigen Weg zu unserem diesjährigen Feriendomizil fanden.

Die Wohnung war ziemlich neu und modern eingerichtet. So konnten wir uns gleich von Anfang an wohl fühlen.  

Wir packten unsere Sachen aus und fuhren in den Ort, um dort zu Abend zu essen. Unsere Vermieterin hatte uns ein Lokal empfohlen, welches wir nach einigem Suchen auch fanden. Man brachte uns zu trinken, aber keine Speisekarte. Wir waren schon sauer, da wir annahmen, man hätte uns vergessen, doch mit einemmal wurde unser Tisch reichlich mit Vorspeisen eingedeckt. Wir wussten gar nicht, wie uns geschah, aber alles war so lecker und schmackhaft, dass es eine Wonne war. Eine besondere Delikatesse war hier ein Brotsalat - einfach köstlich.


3. Tag: Sonntag, 7.7.2002

Nach einer sehr ruhigen, angenehmen Nacht begaben wir uns zunächstan den Pool zum Baden und Sonnen.

Um sechs starteten wir noch einen Ausflug rund um den Lago Bolsena, einen sehr großen, wunderschönen Vulkansee, 15 Kilometer von unserem Feriendomizil entfernt. An seinem Südufer bogen wir ab in den Ort Montefiascone, im dem es eine schöne Kirche und einen wunderschönen Park zu besichtigen gab. Außerdem liegt der Ort sehr hoch und man hatte einen wundervollen Ausblick auf das umliegende Land und den Lago Bolsena. In einem urigen Restaurant am Markt genossen wir deftige einheimische Spezialitäten und den hier wachsenden Wein "Est!Est!Est!"


5. Tag: Dienstag, 9.7.2002

Nach dem Frühstück vergnügten wir uns erst einmal zwei Stunden am Pool, bevor wir uns um 13.00 Uhr auf den Weg nach Orvieto machten. Orvieto liegt hoch auf einem Felsen und ist von Weitem schon zu sehen. Der Ort wurde auf Tuffstein gebaut, und immer wieder wird von Erdrutschen berichtet, da Tuffstein ein instabiles Material ist.

Überragt wird der ganze Ort von seinem Dom mit seiner mehr als 50 Meter hohen Fassade. Die Verzierungen an dieser Kirche sind faszinierend. 

Von Orvieto aus fuhren wir weiter nach Perugia. Das war noch einmal eine anstrengende Strecke mit Kurven und Serpentinen.
Perugia ist eine Universitätsstadt, in der fast nur ausländische Studenten zu finden sind, 7000 insgesamt, davon schon allein 1000 Deutsche.

Als Erstes schlenderten wir ins Zentrum. Hier gab es tolle Läden, Jule musste erst einmal in ein Wäschegeschäft, in dem sie sich schöne Unterwäsche kaufte. Danach konnten wir den Dom gerade noch so besichtigen, bevor wir vom Küster "rausgeschmissen" wurden, denn es war fast sieben und er wollte schließen. Vor dem Dom setzten wir uns, genau wie die Studenten, auf seine Vortreppe und sahen auf die "Fontana Maggiore" und auf den "Palazzo dei Priori". Auf dem Weg nach unten kauften wir noch Bacis, eine Spezialität der Stadt, süße Küsse. Sie schmeckten auch so, nämlich vorzüglich.


6. Tag: Mittwoch, 10.7. 2002
Nach schönem Ausschlafen ging es heute an den Strand. Allerdings erst mittags, denn bis dahin vertrödeln wir meist die Zeit mit Lesen oder Tagebuch schreiben. Wir suchten uns auf der Karte einen Ort, der nicht ganz so weit von uns entfernt war, Marina di Montalto, und brauchten etwa eine Stunde Fahrzeit.
Wir legten uns einfach auf irgendwelche Liegen und warteten auf den Moment, an dem man uns wegjagte. Zwei Stunden ging es, dann kam so 'ne alte Tussi und brauchte genau eine von unseren Liegen, so legten wir uns für die letzte Stunde auf unsere Badetücher.
Das Wetter war herrlich, es wehte ein leichter Wind und die Temperaturen dadurch erträglich. Das Wasser war so warm, dass es sogar für Stefan ein Leichtes war, in die Fluten zu tauchen.


7. Tag: Donnerstag, 11.7.2002
Aus Julianes Tagebuch: An dem heutigen Tage waren wir in Rom. Nachdem wir fast 20 Minuten vergeblich nach einem Parkplatz gesucht hatten, fanden wir dann schließlich doch noch einen - in einer kleinen Seitenstraße in unmittelbarer Nähe des berühmten Circus Maximus, welchen wir auch gleich als erstes besichtigten.

Es war nicht weit, bis wir zum Zentrum Roms kamen, wo das Forum Romanum und das berühmte Colosseum steht.

Die Markthallen des alten Forums haben gewaltige Dimensionen und bieten zum Glück auch ab und zu Schatten, in dem wir uns ein wenig erholen können.

Manche Perspektiven haben eine geradezu ländlich-idyllische Anmutung.

Manche der riesigen antiken Tempelbauten wurden im Mittelalter christlich umgewidmet, wie man an der barocken Fassade einer mitten in den Tempel hineingebauten Kirche gut erkennen kann (Santi Cosma e Damiano).

Aus Jules Reisetagebuch: Als wir vom Forum Romanum kamen, total verschwitzt und fast am Zerschmelzen, sichteten wir schon von Weitem einen kleinen, aber doch wunderschönen Brunnen. Wir eilten sofort hin und steckten unsere Füße in kühle Wasser.

Es war so angenehm, dass ich gar nicht mehr weg wollte. Wir saßen also so da und chillten ein wenig, als uns eine absolut nervtötende Trillerpfeife aus den Träumen riss. Ich guckte auf und innerhalb einer Sekunde nahmen ALLE Menschen, die ihre Füße ins Wasser gehalten hatten, diese wieder heraus.

Ich dachte schon: "Was geht denn jetzt ab?", als ich oben auf einer kleinen Brücke einen Polizisten stehen sah, der es anscheinend nicht so toll fand, dass wir da die Füße ins Wasser hielten. Allerdings brachte der ganze Aufwand nicht viel, denn so schnell wie der Polizist weg war, waren unsere Füße auch wieder im Wasser.

Das Brunnenbecken, das Juliane als klein bezeichnete, ist es an sich gar nicht wirklich. Es wirkt nur so im Vergleich zum riesigen Staatsdenkmal für König Viktor Emanuel, an dessen Fuß es sich befindet. Brunnen sind auch weiterhin das begehrteste Ziel unseres Stadtrundganges, zum Beispiel die berühmte Fontana di Trevi, der filmbekannte Brunnen, in den man eine Münze werfen muss, um sicher zu sein, dass man wiederkommem wird. Auch im Zentrum der Vatikanstadt werden wir von einem Brunnen begrüßt.


9. Tag: Sonnabend, 13.7.2002

Wir beschlossen, heute auf den Spuren der Etrusker zu wandeln. Als Erstes fuhren wir nach Norchia, das wir nach einigem Suchen auch fanden. Es liegt sehr verborgen zwischen Viterbo und Tarquinia. Was uns als Erstes erwartete, war ein Mann, der zwischen den Bäumen versteckt stand. Wir waren erst erschrocken, bis sich herausstellte, dass er der Fremdenführer war. Wir waren seine einzigen Kunden und so bekamen wir eine sehr individuelle Führung durch die Gräberstadt.

Die Etrusker besiedelten dieses Gebiet etwa 8 Jahrhunderte, bis sie zur Zeitenwende von den Römern vernichtet wurden. Die Etrusker stellten die erste Hochkultur auf italienischem Boden dar. Sie waren hervorragende Künstler, Techniker und Händler. Sie genossen ihr Leben in allen Bereichen und es ging ihnen auch richtig gut. Aber sie wussten auch, dass der Mensch sterblich ist und bauten ihr Leben lang an ihren Grabstätten, damit es ihnen auch nach dem Tode gut ginge.

Nachdem wir uns in einem kleinen Restaurant gestärkt hatten, ging es weiter nach Tarquinia. Die alte Etruskerstadt ist von einer erhalten gebliebenen Stadtmauer umgeben. In Tarquinia entschieden wir uns für das etruskische Museum. Hier hatten wir zusammengefasst noch einmal alles, was mit dem Leben der Etrusker zusammenhing. Danach schlenderten wir noch ein wenig durch den Ort mit seinem mittelalterlichen Zentrum, denn in ihm gibt es noch genauso viele Geschlechtertürme wie in San Gimignano.


10. Tag: Sonntag, 14.7.2002

Für heute war eigentlich ein Ruhe- bzw. Badetag angesetzt, aber da der Wasserfall "Cascata delle Marmore" - unserem Reiseführer zufolge - nur Sonntags geöffnet war, mussten wir also auch heute einen Reisetag einlegen.

Mit dem Wasserfall hat es nämlich Folgendes auf sich: Das Flüsschen Velino in den Bergen Umbriens war schon in der Antike daran Schuld, dass sich in der Ebene um Rieti malariaverseuchte Sümpfe bildeten. Die alten Römer beschlossen daher schon um 271 vor Christus, den Fluss umzuleiten und so die Sümpfe auszutrocknen. Durch diese Umleitung entstand der spektakuläre Wasserfall Cascata delle Marmore, der mit 165 Metern noch immer der größte in Europa ist (wenn man den italienischen Behauptungen trauen will).

Da wir nun schon in Umbrien waren und sich das Wetter immer sonniger gestaltete, beschlossen wir, die Fahrt in Richtung Norden fortzusetzen - über die Fonti di Clitunni nach Assisi.

Die Fonti di Clitunni sind eine schon im Altertum von den Dichtern wegen seiner Anmut gepriesenes Quellgebiet. Auch heute noch findet die Quelle regen Zulauf, ja, sie ist eine rechte Wochenendattraktion für die Italiener. Hier haben wir das leckerste und zugleich preiswerteste Eis unserer Fahrt erstanden.

Assisi ist die Stadt des (heiligen) Franz von Assisi, eines Ordensgründers im 13. Jahrhundert. Der Mönchsorden zeichnet sich durch seine Bereitschaft zum einfachen Leben mit Arbeit und Armut aus. Franz (Francesco) wandte sich in seiner Theologie besonders der Natur zu, er hielt hier in Assisi seine berühmte "Vogelpredigt" an die Geschöpfe der Natur.

Der Ort hat seine mittelalterliche Struktur noch sehr gut erhalten, die Autos bleiben weitgehend draußen, überall sieht man Klöster, Mönche und Nonnen durch die Gassen wandeln. 


13. Tag: Mittwoch, 17.7.2002

Heute klingelte bereits um 5.45 der Palm. Um etwas von dem Tag haben zu können, mussten wir spätestens um 7.00 Uhr los. Wir brauchten 3 ½ Stunden bis Neapel. Unterwegs hatten wir alle Wetter, Sonne, Nebel, Regen.

In Neapel wollten wir als Erstes die versunkene und viel später wieder ausgegrabene Stadt Herculaneum besichtigen.

Die kleine Stadt Herculaneum lag an den Hängen des Vesuvs, dicht am Meer. Beim Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 wurde die Stadt völlig verschüttet und mit Schlammlawinen bedeckt, die nach dem Erkalten so fest wie Tuff wurden und auch so aussahen.

Herculaneum wurde zufällig entdeckt, als im Jahre 1711 ein Flottenkommandant aus Österreich einen Brunnen errichten lassen wollte und auf die Ruinen des Theaters stieß. 1738 begann die planmäßige Ausgrabung.

Herculaneum war idyllisch, Pompeji touristisch total aufgemotzt und überlaufen. Aber wir wollten es natürlich trotzdem gerne sehen und erkunden. Diesmal nahmen wir zwei elektronische Guides, einen gaben wir Jule. Das war ihr sehr recht, denn sie wollte die Stadt alleine erkunden. Wir sind ihr ja immer zu langsam.

Pompeji liegt an den Hängen des Vesuvs. Es war eine sehr große, sehr reiche Stadt, was man noch an den Ruinen ganz deutlich sehen konnte.


15. Tag: Freitag, 19. Juli 2002

Nach der anstrengenden Neapel-Fahrt gönnten wir uns natürlich einen Ruhetag. Deshalb geht es hier gleich mit dem 15. und zugleich letzten Tag weiter. Der Weg führte uns heute zunächst in den prachtvollen Schlossgarten der Villa Lante in Bagnaia bei Viterbo.

Wasserbecken, Brunnen und vielerlei andere Wasserspielereien gestalten den Gang durch den Park unterhaltsam und abwechslungsreich. Allerdings: Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen - nicht alles ist mehr in Betrieb.

Unser letztes Ziel ist der Parco dei Mostri, der Park der Ungeheuer bei dem kleinen Örtchen Bomarzi, für den allerdings zunächst einmal ein ungeheurer Eintrittspreis ausgegeben werden muss. Der Fürst Vicino Orsini schuf hier ab 1550 eine Fantasiewelt mit skurrilen Steinplastiken.