Auf dem Neckartalradweg (2018)

Wieder war es - wie im vorigen Jahr - das überraschend schöne Wetter, das uns zu einem raschen Aufbruch zu einer Fahrradtour veranlasste. Diesmal war es ein sommerliches Hoch im April, und die Tour führte uns in 9 Tagen von der Quelle bei Schwenningen über 430 Kilometer bis zur Mündung in den Rhein bei Mannheim. Besondere Highlight waren zum einen die im Frühling aufblühende Natur des Neckartals, zum anderen die vielen schönen Klein- und Mittelstädte von Rottweil bis Heidelberg.


Im Schwenninger Moos sammelt sich das Neckarwasser
Im Schwenninger Moos sammelt sich das Neckarwasser

1. Tag (17.4.2018):

Von Donaueschingen nach Rottweil

Das Wetter ist geradezu traumhaft: völlig blauer Himmel. Nachdem wir bereits am Vorabend die Donauquelle besucht haben, radeln wir zum Zusammenfluss von Brigach und Breg, wodurch die Donau "offiziell" entsteht.
Dann radeln wir über die Baar, eine Hochfläche (780 m ü. d. M.), die die Wasserscheide zwischen Nordsee/Atlantik und Schwarzem Meer bildet, nach Schwenningen. Auf dem Weg überqueren wir überdies die heute nicht mehr existente Grenze zwischen Baden und Württemberg.
Sehr malerisch zeigt sich das Schwenninger Moos, wo sich das Wasser des Neckars sammelt. In Schwenningen radeln wir an der offiziellen Neckarquelle vorbei.
Die Strecke nach Rottweil zieht sich etwas, am Schluss müssen wir absteigen, um ans Ziel zu kommen. Rottweil ist ein sehr malerischer Ort, das erste Highlight unter den Neckarstädten. Rottweil erinnert etwas an das schweizerische Stein am Rhein - und tatsächlich gehörte es vor langer Zeit auch zur Schweiz.

Tagesstrecke: 38 km


Alles grünt und blüht.
Alles grünt und blüht.

2. Tag (18.4.2018):

Von Rottweil nach Horb

Schöner Tag - schöne Fahrt. Tolle Natur im Neckartal, alles grünt und blüht. Bis zu 27 Grad und Sonne pur. Wir müssen uns schon schön mit Sonnenschutzcreme einreiben.
Die Neckarburg haben wir zwar nicht entdecken können (nur den Weiler), sonst aber gab es einiges zu sehen: ein Flößer-Denkmal bei Villingendorf, eine Pfahlbaubrücke bei Neckarhausen. Oberndorf lassen wir aus, es liegt uns einfach zu hoch oben.
Mittagspause in Sulz in einem Café auf dem Marktplatz. Dort steht ein hübscher Brunnen mit Inschrift, klassizistische Häuser drum herum nach einem Stadtbrand 1797.
Auch unser Ziel Horb liegt hoch, aber da hilft dann nichts. Es ging aber fast ohne Absteigen. Sehr hübscher Ort am steilen Hang. Unser Gasthaus Schiff erkennen wir schon aus dem Tal. Umgekehrt dann ein toller Blick aus dem Hotelzimmer auf das Neckartal. Nach einem kleinem Rundgang gibt es ein schönes Abendessen (Schwäbischer Wurstsalat, Maultaschen und sehr leckerer Wein).

Tagesstrecke: 49 km


Tübingen Marktplatz
Tübingen Marktplatz

3. Tag (19.4.2018):

Von Horb nach Mittelstadt

Die Fahrt war heute anstrengend. Es ging dauernd auf und ab. Dazu kam heftiger Gegenwind, wenn es mal eben war.
Heute waren schöne Städte der Schwerpunkt:
Rottenburg: easy Roll in/roll out, schönes Eis am Marktplatz
Tübingen: sehr urige Fachwerkhäuser, enge Gassen, steil, viele Treppen. Erfrischung am Markt. Schönes Rathaus und schöner Marktbrunnen. Dann langwierige Suche nach dem Hölderlinturm mit magerem Ergebnis: Der Turm ist wegen Restaurierung eingerüstet und kaum zu sehen.
Das Ziel Mittelstadt (Klostermühle) ist nur mit einer Fahrt durch eine eigentlich gesperrte Baustrecke zu erreichen. Erst mal ein Bier im Biergarten, dann Abendessen, das wir aber nicht schaffen (Riesenschnitzel).

Tagesstrecke: 55 km


Plochingen
Plochingen

4. Tag (20.4.2018):

Von Mittelstadt nach Stuttgart / Obertürkheim

Plochingen war schön, besonders das Hundertwasserhaus, aber auch der Ortskern. Und zum Schluss die Tomi-Ungerer-Toilette.
Dann Esslingen, ebenfalls herrlich, ein Bild ähnlich wie Straßburg (wie Jule bestätigte).
Leider berechnete meine Navigation den weiteren Weg völlig falsch, so dass wir mit Falsch- und Rückfahrt 5 km verloren.
Dafür haben wir das Hotel in Obertürkheim gut gefunden.
Nach kleiner Pause fuhren wir mit der S-Bahn nach Cannstatt und wanderten durch den Schlossgarten zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Der Park war sehr schön, voller Menschen, die den lauen Sommerabend genossen.
Der Bahnhof "Stuttgart 21" als Baustelle war dagegen ein wahrer Horror. Wir fuhren schnell nach Obertürkheim zurück und aßen dort ausnahmsweise Italienisch (was angesichts der Weinberge über uns eigentlich eine Sünde war. Aber einheimische Kost gab es hier nicht. Die Deutschen boten bloß noch Bier an. Schade.
Es war aber alles in allem ein schöner Tag, vor allem ein unglaublicher Sonnentag im April.

Tagesstrecke: 53 km


Schloss Ludwigsburg
Schloss Ludwigsburg

5. Tag (21.4.2018):

Von Obertürkheim nach Besigheim

Wie gewohnt um ca. 9:30 Uhr startete unsere heutige Tour. Zunächst ging es noch einmal an Stuttgart vorbei, das wir im Rahmen des Möglichen gestern Abend schon abgetan hatten.
Dann zog sich die Strecke bis Neckarweihingen, wo ich mit Google den Abstecher zum Schloss Ludwigsburg vorbereitet hatte, das allerdings leider auf einer Anhöhe lag.
Nach einer Erfrischung mit Bitter Lemon entschlossen wir uns zur Besichtigung des Parks. Das Schloss selbst machte einerseits eine Hochzeitsmesse unzugänglich. Andererseits verlangte das Wetter Frischluft. 17 Euro Eintritt. Die Schönheit des Parks hielt sich in Grenzen. Viele Frühlingsblumen erfreuten, auch einige Vögel (afrikanische Schmalschnabellöffler, Störche) in Volieren. Eher alberner Märchenpark.
Zurück zum Track mit Sausefahrt hinunter nach Neckarweihingen, dann weiter nach Marbach. Dort müssen wir auch wieder steil hinauf, kommen aber bei der Hitze und gegen das Sonnenlicht schiebend nicht sehr weit. Immerhin sehen wir Schillers Geburtshaus und die Häuser seiner Großeltern. Dann gibt es erst einmal Bitter Lemon mit Apfelstrudel und Eis.
Zurück auf dem Track müssen wir noch einmal 23 km bis Besigheim radeln, meist sehr angenehm und flach durch die Weinorte (Pleidelsheim, Mundelsheim, Hessigheim usw.). Zweimal steigen wir ab, einmal zum Verschnaufen, weil es so steil war, einmal, um den Durst zu löschen. Wir finden auch leicht im schönen Weinort Besigheim unser Hotel, ein ganz modernes Haus mit Bewegungssensoren am Wasserhahn (aber leider keinen Stöpsel, um Wasser zu stauen zum Wäschewaschen). Die Wirtin begrüßt uns gleich mit Zitronenlimonade und Weizenbier draußen auf der Terrasse. Leider hat die griechisch angehauchte Küche nichts für uns zu bieten, so dass wir im Ort essen gehen (Ratsstüble): Spargel mit Kräuterflädle, Schinken und Sauce Hollandaise, dazu Besigheimer Wein.

Tagesstrecke: 63 km


Im Zweiradmuseum Neckarsulm
Im Zweiradmuseum Neckarsulm

6. Tag (22.4.2018):

Von Besigheim nach Gundelsheim

Nach schönem Frühstück auf der Terrasse des Hotels in Besigheim ging es um 10 Uhr wieder auf den Track. Das Wetter war wieder so fantastisch, dass wir gleich in leichter Sommerkleidung losfuhren und auch bald unsere Jacken auszogen.
Lauffen machte seinem Namen Ehre und brachte uns für eine längere Steigungsstrecke zum Laufen und Schieben der Fahrräder.
Erstes Ziel war Heilbronn, das als Stadt allerdings nichts weiter zu bieten hatte. Wir gedachten Käthchens und gönnten uns eine erste Eisschokolade bzw einen Eiscafé.
Weiter ging es nach Neckarsulm, wo wir das Deutsche Zweiradmuseum besuchten, wobei uns natürlich die Fahrradabteilung am meisten interessierte. Danach noch einmal eine Erfrischung im Ort mit Bitter Lemon (bei 36 °C laut Anzeige der Apotheke), bevor es auf den gemütlichen Rest der Strecke nach Gundelsheim ging.
Im Lamm mussten wir erst den Wirt herausklingeln, der aber sehr freundlich war. Er liegt allerdings mit der Bürgermeisterin und dem Pfarrer im Clinch und betreibt das Hotel nur noch garni.
Nach kurzer Ruhepause begeben wir uns auf einen kleinen Rundgang, der uns vorbei an einigen hübschen Fachwerkhäusern zur Burg Hoheneck hinaufführt. Neben einigen Überresten aus römischer Zeit (Reliefs) beeindruckt uns die große Burganlage, die einst den Deutschrittern als Basis diente und nach deren Vertreibung im Bauernkrieg (1524/25) eine Rolle spielte, als hier Götz von Berlichingen von den Bauern zu ihrem Anführer gewählt wurde.
Den Abend verbringen wir in einer Besenwirtschaft mit leckeren Schmankerln und einheimischem  Wein, danach als Absacker ein Blutwurz-Schnäpsle.
Wir sind übrigens seit Tagen ohne WLAN unterwegs, nun wird es mit unserem Daten Volumen langsam eng. Aber einen Wirt wie den heutigen kann man auch nach einem WLAN nicht fragen...

Tagesstrecke: 48 km


Mosbach (Odenwald)
Mosbach (Odenwald)

7. Tag (23.4.2018):

Von Gundelsheim nach Eberbach

Nach einem Frühstück im etwas skurril geführten Hotel "Zum Lamm" setzte prompt Regen ein, obwohl der Wirt noch verkündet hatte, dass es keinen geben werde. Der Regen war allerdings nicht heftig und dauerte auch nur ca. 2 Stunden - bis Mosbach, einem Ort im Odenwald, zu dem wir einen Abstecher von ca. 5 km wagen. Die Stadt ist sehr hübsch, viel niedliches Fachwerk, dazwischen Grundschulschüler, die von einer Stadtführerin die Bauten erklärt bekamen.
Nach einer kleinen Pause in einem Café ging es bei immer besser werdendem Wetter zurück auf den Track nach Eberbach. Bald können wir die Regensachen wieder ausziehen, denn es werden wieder 24 Grad bei gelegentlichem Sonnenschein.
Wunderschön anzusehen unterwegs Felder mit weißem Bärlauch. Auch eine prächtige Burg grüßt bei Zwingenberg, wo wir den Neckar zur linken Seite hin überqueren.
Unser Hotel am Zielort Eberbach - das "Alte Badhaus" - ist sehr urig, mit Balken und Fachwerk im Zimmer, leider allerdings mit "Gourmet-Küche", so dass wir beschließen, auswärts zu speisen. So gab es dann nach einem kleinen Stadtrundgang - auch in einem Restaurant "Zum Lamm" - Bärlauch-Gerichte.

Mit dem Wirt unterhielten wir uns noch eine Weile. Er sprach zwar den hiesigen Dialekt, eine Mischung aus Hessisch und Pfälzisch (die Gegend hier gehört zur Kurpfalz), stammte aber eigentlich aus Brandenburg, genauer aus der Gegend von Chorin. 1955 waren seine Eltern - nach der Enteignung - hierher geflüchtet und er war hier aufgewachsen. Die Sprachgrenze zum Schwäbischen liege bei Mosbach, sagte er.
Der Ort selbst (Eberbach) hat einige schöne Ecken, war aber 1945 noch durch Bomben geschädigt worden. Ein hübscher Brunnen steht vor unserem Hotel.

Tagesstrecke; 48 km


Auf dem Heidelberger Schloss
Auf dem Heidelberger Schloss

8. Tag (24.4.2018):

Von Eberbach nach Heidelberg

Nach einem etwas einfachen Frühstück im "Alten Badhaus" in Eberbach geht es wieder zurück auf den Track. Wir fahren wieder durch viel blühende Natur, wobei der Bärlauch wieder besonders hervorzuheben ist. Durch einige Info-Tafeln am Weg erfahren wir einiges über die Biologie und auch Mythologie dieser Pflanze. Daneben immer wieder üppig weiß blühende Obstbäume - und Sandstein-Abbaugebiete. Rot ist der Stein hier und liegt in geraden Schichten.
Eine Strecke lang fährt ein Neckarkahn neben uns her. Mal ist er schneller, mal langsamer als wir. Wir beobachten ihn auch beim Schleusen an einer Neckarschleife bei Hirschhorn.
Sehr naturbelassen ist über weite Strecken auch der Radweg selbst. Sand und Schotter prägen ihn. Christine leidet und schimpft sehr.
Noch einmal gibt es viele Burgen zu sehen, einmal gleich vier auf einen Blick.
Pause machen wir in Neckargemünd. Die Stadt liegt am Hang und besteht aus viel rotem Sandstein, ist aber durch den Einbahnstraßen-Verkehr etwas anstrengend und wenig idyllisch.
Noch weniger idyllisch ist die Radfahrt nach Heidelberg. Auf der Bundesstraße, auf der Lastwagen mit Tempo 100 an uns vorbeibrettern, ist eine Fahrradspur nur mit weißer Linie abgetrennt. Zum Glück geht das nur 5 km so, dann gibt es wenigstens einen gesonderten Radweg.
Unser "Hotel am Rathaus" in Heidelberg finden wir leicht, müssen uns allerdings mühsam durch Busladungen von Chinesen drängen, die sich mit ihren Selfiesticks - überall und allen im Weg stehend - selbst und gegenseitig fotografieren.
Nach kleiner Mittagspause geht es mit der Standseilbahn hinauf zum Schloss. Schöner Blick auf die Stadt am Neckar. Beeindruckende Größe der Ruine.
Dann zeitiges Abendessen auf den Rathausplatz. Der Stadtrundgang danach ist wenig beeindruckend - Souvenirgeschäft an Souvenirgeschäft. Wir flüchten uns in ein "Weinloch" in einer Nebenstraße und sind danach zeitig wieder im Hotel.

Tagesstrecke: 35 km


Am Ziel: die Neckarmündung in den Rhein
Am Ziel: die Neckarmündung in den Rhein

9. Tag (25.4.2018):

Von Heidelberg nach Mannheim

Abfahrt in Heidelberg nach Standard-Frühstück. Das Wetter ist angenehm, um die 20 Grad, aber wir haben teilweise viel Gegenwind, besonders am Schluss an der Neckarmündung in Mannheim.

Der Zusammenfluss von Neckar und Rhein liegt in einem Industriegebiet, nicht sehr schön, aber wir freuen uns, am Ziel zu sein. Eine nette Dame macht Fotos von uns beiden.

30 km heute, 430 km insgesamt.

Dann Fahrt zum Bahnhof. Nach einigem Warten erhalten wir eine akzeptable Zugverbindung (1 x umsteigen in Karlsruhe, 32 Euro, Fahrräder gratis). 

Ankunft in Donaueschingen 17.16 Uhr. So übernachten wir noch einmal im "Hirschen" und genießen ein schönes Abendessen im "Bräustüble".

Tagesstrecke: 34 km